Theater

Endlich allein

Mein Neubürgergutscheinheft und ich gehen in die letzte Runde. Heute stand ein Besuch der Komödie in der Steinstraße auf dem Programm. Gespielt wurde "Endlich allein". Der Plot erinnert an den französischen Film "Tanguy - der Nesthocker" und hörte sich daher vielversprechend an.

Naja, der Plan ist nicht so ganz aufgegangen. Der Humor war eher an der Elterngeneration ausgerichtet als an der Kindergeneration, zu der ich zähle. Das ließ sich ganz gut an den Besuchern & Besucherinnen erkennen - mehr oder weniger alle 50plus. Die haben gelacht - bei mir blieb's dann doch meist nur bei einem kleinen Lächeln.

Was mich jedoch noch sehr viel mehr enttäuscht hat, war das extrem aufgesetzte Spiel. Mir ist zwar bewusst, dass im Theater immer etwas übertriebener gespielt werden muss - aber Laien spielen meiner Meinung nach besser als die Profis heute auf der Bühne. Schade.

Dennoch, etwas positives hatte der Abend. Ich bin für lau rein gekommen und hatte einen mittigen Platz in der dritten Reihe. Besser geht's fast gar nicht. Dafür nehme ich dann auch schon mal ein Stück in Kauf, was nicht so gut wie erhofft war.

Stairways to Heaven

Standing Ovations - dreifache Zugabe! Nein, es handelt sich hier nicht um ein Led Zeppelin Konzert, sondern um ein aktuelles Stück des Düsseldorfer Schauspielhauses.

"Auf der IMRG, der internationalen Messe für den richtigen Glauben, bereiten sich die fünf klassischen Weltreligionen Christentum, Islam, Hinduismus, Buddismus und Judentum auf den Besucheransturm vor. Unter dem Übertitel „We believe“ werden Infotresen aufgebaut, um in friedlicher Eintracht für den jeweiligen Glauben zu werben. ..."

Der Dialog des Stücks besteht nahezu komplett aus Gesang. Mit Songs wie "Sweet Bitter Symphony", "Highway to Hell", "She is the one", "Imagine", vielen, vielen anderen und natürlich auch "Stairways to Heaven" wird die komplette Geschichte erzählt. Immer wieder geraten die unterschiedlichen Glaubensanhänger miteinander in Konflikte und schaffen es dann doch auch wieder, sich auf den eigentlichen Grund, die große Ökumene, zu besinnen. Bis dann der einzige Messebesucher kommt und anschließend eine weitere Ausstellerin, die als Reaktion auf "We believe" mit "ich nicht" antwortet.

"Was folgt ist mehr als nur ein musikalisches Feuerwerk."

Gefallen hat mir nicht nur der Gesang, der sich echt hören lassen konnte (wobei ich zugegebenermaßen kein musikalischer Mensch bin und ich oft und schnell dieser Meinung bin ;-)). Toll fand ich auch das sehr gut aufeinander abgestimmte Ensemblespiel. Der Spaß, den die Schauspieler/innen hatten, war nicht nur sichtbar, sondern auch spürbar.

Vieles hat mich an meine alten Clowns-Zeiten erinnert, in der ebenfalls die Ensemblearbeit immer im Mittelpunkt stand. Die Herausforderungen, die dieses Zusammenspiel an jede/n einzelne/n Schauspieler/in stellt, sind meiner Meinung nach wesentlich höher, als wenn es "nur" darum geht, einen Monolog oder Dialog "aufzusagen". Und diesen Herausforderungen war das Ensemble wahrlich gewachsen. Immer wieder habe ich mich von den im Zentrum der Handlung stehenden Personen abgewendet und einen Blick auf die "Randpersonen" gewagt, die in diesen Zwischenzeiten teilweise die viel größeren Rollen gespielt haben. Mir hat es wirklich sehr gut gefallen. Vor allem wegen des perfekten Spiels, aber auch, weil mit viel Witz ein durchaus brisantes Thema geboten wurde.

Das Shakespeare-Abenteuer

Nach einer Woche im Bett bzw. auf der Couch dank Grippe konnte ich mich heute endlich wieder unter Leute wagen und bin ins Junge Schauspielhaus Düsseldorf gegangen. Gespielt wurde dort Das Shakespeare-Abenteuer.

DAS GROSSE SHAKESPEARE-ABENTEUER ist die Geschichte des jungen William, der sich Kraft seiner unglaublichen Phantasie anschickt, die mythische Parallel-Welt der Feen und Elfen zu betreten. Die Feenwelt hat Angst, entzaubert und an die Menschen 'verkauft' zu werden. Deshalb schickt Oberon seinen Kobold Puck: Er soll den Jungen entführen! Doch William tummelt sich bereits an einem Ort, wo das Abenteuer auf ihn wartet: das Theater. Als Puck ihn endlich findet, geht die Geschichte erst richtig los: Im Feenreich trifft William das streitende Ehepaar Titania und Oberon, aber auch den wilden Caliban, den Zauberer Prospero, die schöne Miranda, den verzweifelten King Lear und viele andere...

Ich selbst war immer wieder auf der Suche nach kleinen Passagen, die ich vielleicht kenne, denn ein Großteil des Textes war Original. Außer dem Namen "Romeo" und der Anspielung auf einen "schwarzen Mohren" gab`s da aber leider nix - ob das daran liegt, dass ich mich zu Schulzeiten eine Ewigkeit mit den Liedern von Johnny Cash anstatt mit Shakespeares Dramen beschäftigen musste? Ich weiß es nicht.

Aber auch ohne große Shakespeare-Kenntnisse hat es mir (und ich denke auch den vielen jungen Zuschauern und Zuschauerinnen) Spaß bereitet, dem Spiel zu folgen. Besonders beeindruckt hat mich das Spiel des Puck-Darstellers, dem man sichtlich ansehen konnte, wie viel Spaß er selbst am Ausfüllen seines Charakters hat. Ja, das war Theater nach meinem Geschmack - mal schauen, was als nächstes kommt.

Couch. Ein Heimatabend.

Gestern musste ein weiterer meiner Gutscheine dran glauben. Dieses Mal ging's ins Düsseldorfer Kom(m)ödchen, der Bühne, auf der Harald Schmidt seine ersten großen Auftritte hatte.

Auf die Spielplan stand "Couch. Ein Heimatabend", ein Stück des hauseigenen Ensembles.

Ensemble Düsseldorfer Kom(m)ödchen

Und wieder war es ein wirklich unterhaltsamer Abend. Der Kabarettist Christian wohnt in einem Haus mit sechs doch recht auffälligen Zeitgenossen. Da seine Wohnungstür nicht mehr schließt, kehren diese ein und aus, wie es ihnen gefällt. Da ist zum einen Micha, der Strom bei Christian anzapft, um von den Energiekonzernen unabhängig zu sein. Jana kündigt im halben Stunden Takt ihren Kellnerjob und ist mit ihren 34 Jahren auf dem besten Weg in eine Midlife-Crisis. Mein persönlicher Lieblingscharakter Elmar ist der Hausbesitzer, Oberarschloch und einsames Schwein. Seine Passion: Professioneller Entlasser. Isabell ist verzeifelte Mutter von vier Kindern, die Angst davor hat, keinen Typen mehr ins Bett locken zu können. Ich sage nur: www.torschlusspanik.de - gibt es diese Seite eigentlich wirklich? Und dann sind da noch Manu und Klaus - eigentlich kann man diese getrost als ein Individuum betrachten. Klaus' Problem: Er hat Karl-Heinz im Endstadium und wird beige.

Zusammengefasst handelte es sich um einen Rundumschlag vieler aktueller, gesellschaftlicher Themen, die vor allem uns Deutsche betreffen. Mit viel Witz und netten Gesangsbeilagen wird es ein rundes Stück.

Allerdings fand ich das gesamte Stück doch zu sehr aufgesetzt. Vielleicht lag es daran, dass wir in der ersten Reihe saßen, vielleicht aber auch an meiner Vorliebe für Improvisationstheater. Daher war der lustigste Moment dann doch der, als Klaus und vor allem Christian von einem unerwarteten Lach-Flash gepackt wurden und auf Improvisation angewiesen waren.

PS: Andere Meinungen zum Stück können im Gästebuch des Düsseldorfer Kom(m)ödchens nachgelesen werden.