Vor einiger Zeit bin ich durch den Uploadblog auf diese spannende Aktion aufmerksam geworden: Das unter dem Titel "52 Dienstage" erschienen Frauentagebuch soll durch Blogpatenschaften im Internet veröffentlicht und vernetzt werden. 51 Frauen und ein Ehemann beschreiben in diesem Buch Erlebnisse eines ganz normalen Tages. Dabei "[eint] alle Schreiberinnen [...], dass sie behindert sind: körperlich oder seelisch, seit Geburt oder seit einem Unfall, durch eine chronische Krankheit oder durch einen “Blitz aus heiterem Himmel”." Das finde ich nicht nur inhaltlich spannend, sondern finde es darüber hinaus unterstützenswert, dass mit den Blogpatenschaften ein Link zwischen On- und Offline-Welt geschaffen wird. Tolle Aktion, die von Ina Müller-Schmoß voran getrieben wird und meiner eigenen Lebenswelt nicht allzu fern ist. Aber bevor ich noch mehr schreibe, folgt nun der Gastbeitrag.
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Der folgende Text ist ein Auszug aus dem Buch “52 Dienstage - Ein Frauentagebuch“, geschrieben von 51 Frauen (und einem Ehemann) an 52 Dienstagen des Jahres 2005. Herausgeber ist der Verein Lebendiger Leben! e.V., bei dem Sie das Buch erwerben können.
Geschrieben am 30. August 2005
Heute ist eigentlich ein Tag wie jeder. Nein, nicht ganz, denn heute kommt ein Freund. Ihn und seine Familie habe ich schon über ein halbes Jahr nicht gesehen und seitdem ist doch einiges bei ihnen passiert.
Ich bin zu neugierig auf Klara, die große Tochter. Sie ist fast zwei Jahre, und doch könnte man sie für drei oder sogar noch älter halten. So groß ist das Mädchen. Und erst die Kleine. Wie wird das sieben Monate alte Mädchen aussehen? Ich habe Elisabeth noch nie gesehen. Meine Güte, bin ich neugierig. Aber vorher muss ich noch mal nachsehen, ob ich alles habe oder einkaufen fahren muss.
Da ich nichts mehr brauche und noch Zeit ist, versuche ich noch etwas zu lernen. Ja, ich will mein Fernstudium noch in diesem Jahr zu Ende bringen. Dann habe ich vielleicht oder besser gesagt, hoffentlich, meinen Abschluss zur Werbetexterin in der Tasche. Vielleicht bekomme ich Arbeit. Na ja, träumen kann ich ja davon, die Realität ist sowieso ganz anders. Ach nein, so richtig konzentrieren auf die Aufgaben kann ich mich auch nicht. Hm, dann versuch ich es mit der Theorie und lese mein Lehrheft durch. Ui, ist das ein trockener Stoff, und interessant ist er auch nicht. Aber jetzt muss ich da durch, unbedingt. Langsam vergeht die Zeit, und das Lehrheft nimmt ab.
Es ist kurz vor 16.00 Uhr. Ich beende das Lernen mit einem Aufatmen, denn jetzt kommen die vier gleich. Einige Minuten später klingelt es an der Tür, Vater und Tochter stehen davor, die Kleine und ihre Mutter kommen nach. Klara stürzt gleich in die Wohnung, fühlt sich wie zu Hause. Ich staune, denn es ist ja schon eine Ewigkeit her, dass sie mich sah. Oh, ist das ein Wirbelwind. Es ist nicht leicht, Kaffee zu kochen und gleichzeitig auf Klara aufzupassen. Doch es gelingt. Jetzt trudeln auch die Nachzügler ein. Ich stutze, als ich Elisabeth sehe. Sie hat nichts von ihrer großen Schwester und sehr wenig von den Eltern. Aber süß ist sie mit ihren schwarzen Locken und den langen schwarzen Wimpern. Auch sie ist für ihr Alter sehr groß und schwer. Wir unterhalten uns von so vielen Dingen, die in letzter Zeit geschehen sind. Manchmal kommen wir kaum gegen den Kinderlärm an, doch es ist schön. Ja, für die Eltern ist es Stress, aber sie lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Bewundernswert!
Nach ein paar Stunden ist alles vorbei. Die Kinder brauchen ihr Abendbrot, müssen auch wieder ins Bett. Also gehen alle wieder, und die gewohnte Stille tritt ein. Da in den vorangegangenen Tagen viel Trubel war und bald wieder welcher sein wird, genieße ich die Ruhe und bin gespannt, was mir der nächste Tag bereit hält.
Autorin: Simone Walter, Dresden; *1965 in Görlitz, allein lebend ohne Kinder, seit Geburt Tetra-Spastikerin, selbstständig in eigener Wohnung seit 1984. EU-Rentnerin, 2002-2003 Abschluss der 10. Klasse nachgeholt. Zwei Fernstudien: abgeschlossen als „Autorin für Belletristik“ und als Werbetexterin bei der Studiengemeinschaft Darmstadt. Ein Jahr als Gästeführerin in der Ausstellung „Der im-perfekte Mensch“ im Dresdner Hygienemuseum gearbeitet. Hobbys: Geschichte, Archäologie, Konzerte besuchen (Klassik wie auch Rockmusik), gut essen gehen…
Bisher online:
11. Januar 2005 - Autorin: Erika Knobloch
15. Februar 2005 - Autorin: anonym
8. März 2005 - Autorin: Anja Damme
6. September 2005 - Autorin: Brigitte F.