Christchurch - Twizel - Christchurch

Nachdem wir jeden, aber auch wirklich jeden Gift-Shop von Christchurch durch hatten, haben wir der Art Gallery einen Besuch abgestattet. Das schöne - wie in anderen Ländern - sind auch in Neuseeland die meisten Museen kostenlos, nennen aber eine Spendenempfehlung, die in unserem Fall aus meiner Sicht absolut niedrig angesetzt war. Die Gallery selbst ist nicht sonderlich groß - alle Ausstellungsräume lassen sich relativ schnell durchschreiten. Ein Raum ist  speziell Kindern gewidmet: Die Hinweisschilder sind in für Kinder verständlicher Sprache verfasst, ein Rätsel führt durch den Raum - sowas gefällt mir natürlich. Leider schließt die Gallery schon verhältnismäßig früh, um kurz vor fünf ertönt die Durchsage auf Englisch und Maori durch das Haus. Wir beeilen uns mit der letzten Ausstellung.

Wir haben immer noch genügend Zeit, das Wetter ist sonnig, also entscheiden wir uns, mit dem Bus zur Gondola zu fahren. DIe richtige Bushaltestelle zu finden, bereitet uns ein kleines Problem - aber letztlich lösen wir auch dieses Rätsel. Auf geht's - eine viertel Stunde dauert die Fahrt bis an den Stadtrand. Und dann geht's hoch auf den Berg, zur Abwechslung mal nicht zu Fuß. Oben angekommen, erwartet uns eine tolle Aussicht über die Stadt und den Hafen in Lyttelton auf der anderen Seite des Berges. Trotz der gerade mal 500 m Höhe des Mount Cavendish sind wir den (wenigen) Wolken schon wieder extrem nahe - ein Anblick, der mich immer wieder fasziniert. Wir genießen das Panorama bei einer heißen Schokolade, die für ein Ausflugslokal gar nicht mal schlecht und sogar bezahlbar ist, bevor wir auch hier oben den Gift-Shop durchstöbern und uns anschließend noch auf eine kleine Zeitreise im Keller des Gebäudes begeben. Dann geht's wieder bergab, mit dem Bus zurück in die Stadt, zum Supermarkt und hinein in die Gefängnisküche zum Kochen.

Am nächsten Morgen weckt uns kein Feuerarlarm. Nach dem Frühstück packen wir unsere Sachen und wollen unsere Reise Richtung Twizel und damit vorbei an den Lakes Tekapo und Pukaki fortsetzen. Beim ersten Startversuch gibt unser Holden Berlina nur noch ein Röcheln von sich. Beim zweiten Anlauf erstickt dies zu einem leisen Klicken - mehr will das Auto nicht mehr von sich geben. Das darf doch nicht wahr sein! An unserem vorletzten Tag in Neuseeland streikt unser Fahrzeug - na toll! Was tun? Wir versuchen, die Verwandtschaft in Te Anau zu erreichen, die ist aber wedere zu Hause noch im Café anzutreffen. Und über das Mobile erreichen wir natürlich auch niemanden. Okay, dann erst mal eine der vielen Werkstätten aufsuchen, die sich praktischerweise in der Nähe des Hostels befinden. Der Chef ist nicht da, der Angestellte kann nicht weg, wir gehen erst mal einen Kaffee trinken und versuchen uns zu beruhigen. Eine halbe Stunde später der zweite Versuch, der Chef verspricht uns nach dem Auto zu sehen, wir sollen uns um 13 Uhr wieder melden. Bis dahin ist noch viel Zeit - wir gehen erstmal in die Stadt. Nochmal probieren wir, unsere Verwandtschaft zu erreichen, aber außer den Mitarbeitern im Café treffen wir niemanden an.

Auf dem Cathedral Square angekommen, stellen wir fest, das einige Straßenkünstler unterwegs sind und ein kleiner Markt Schmuck, Taschen und Souveniers feil bietet. Wenigstens ein wenig Abwechslung. Dann tritt auch noch eine Maori-Gruppe auf - welch Glück, denn das ist tatsächlich unsere einzige Begegnung mit Maoris. So kommen wir doch noch in den kulturellen Genuss, einen Haka zu sehen. Anschließend gibt's noch mal eine "original new zealand real fruit icecream", bevor wir langsam zur Werkstatt zurück schlendern. Mittlerweile sind wir guter Dinge, dass es eigentlich nur die Batterie sein kann, das Problem damit schnell behoben sein sollte und auch für die Weiterfahrt mit keinen weiteren Pannen zu rechnen sei. Und genau so ist es: Das Batteriewasser war leer, die Batterie daraufhin auch - mit neuem Wasser und geladener Batterie können wir nun endlich in die Landesmitte fahren.

Aufgrund unserer späten Abfahrt stoppen wir für unsere Verhältnis extrem wenig. Erst kurz vor Geraldine machen wir eine kurze Mittagspause, dann geht's weiter zum Burkes Pass, wo wir noch mal kurz anhalten, da dort wieder Lupinenfelder auftauchen (leider zu weit weg von der Parkmöglichkeit, so dass es mit dem Lupinenfeldfoto doch nix wird). Und kurz danach taucht schon der Lake Tekapo auf. Wie auch der Lake Pukaki schimmert das Wasser des Sees milchig türkis. Die Farbe verdanken die Seen feinen Sedimentgesteinen. "Das sogenannte "Steinmehl" entstand, als sich ein Gletscher übers Land wälzte - während die Steine am Grund des Gletschers das Seebecken aushöhlten, wurden die aneinanderreibenden Steine zu feinen Partikeln zermalmt, die sich schließlich nach der Gletscherschmelze im Wasser auflösten" (Lonely Planet, S. 633). Wieder eine Farbe, die uns Staunen lässt.

Der Lake Pukaki fesselt uns anschließend noch mehr. Dem sensationellen Anblick des Sees wird durch den Blick auf den höchsten Berg Neuseelands, den Aoraki/Mount Cook (3.755 m), noch ein i-Tüpfelchen aufgesetzt. Wir haben sogar Glück - bis auf die Spitze, die in den Wolken verschwindet, haben wir freie Sicht auf den ganzjährig schneebedeckten Berg.

Leider liegt der nächste Ort Twizel nicht direkt am See, sondern 10 km weiter. Also fahren wir schließlich dorthin, um unser Motelhütchen zu beziehen, unsere hungrigen Mägen zu stopfen und uns zum Abschluss unserer Reise noch einen Nachtisch außer Haus zu gönnen. Nachdem wir einen sehr guten Käsekuchen mit Sahne und Eis (!) vertilgt haben, senkt sich die Sonne nieder. Das Licht verzaubert die Umgebung in eine goldene Landschaft. Wenn wir uns beeilen, dann schaffen wir es noch bis zum Lake Pukaki, um dort den Sonnenuntergang zu erleben. Schnell rein ins Auto und zurück zum See. Unterwegs halten wir einmal kurz an, um "Rohan" in diesem Licht zu fotografieren. Dann düsen wir weiter und leisten uns am See einen kleinen Wettbewerb mit anderen Fototouristen. Aoraki/Mount Cook mit dem davor liegendem Lake sehen traumhaft schön aus - ein besseres Abschiedsgeschenk konnten wir gar nicht mehr bekommen.

Am nächsten Tag trennen sich unsere Wege. Während meine Cousine das Auto zurück nach Te Anau fährt, setze ich mich in den Bus zurück nach Christchurch. Während eines Lunchstopps am Lake Tekapo habe ich noch mal die Möglichkeit, die Aussicht auf den See zu genießen und tolle Fotos im Sonnenschein zu schießen. Nach dem Burkes Pass verlässt uns dann leider die Sonne, ich schließe die Augen und lasse die Reise noch mal Revue passieren. Ich kann's kaum glauben, dass ich all das gesehen und erlebt habe.

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