Um mal wieder meinem Ruf als Blog rund um Bildung, Lernen & E-Learning gerecht zu werden (an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Jochen Robes, der mich in seine Liste aufgenommen hat), folgt ein kurzer Rückblick auf den heutigen Workshop "Didaktischer Mehrwert von E-Learning" mit Prof. Rolf Schulmeister am Duisburg Learning Lab.
Wie der Titel schon vermuten ließ, setzte der Workshop an der gleichen Stelle an wie sein Vortrag auf unserer RCO-Tagung im April. Hatte er damals schon in einer knappen Stunde vielfältige und interessante Einblicke in das Thema, unterstützt von vielen praktischen Beispielen, geboten, so bot sich heute die Möglichkeit, die vielen Anwendungsbeispiele selbst mal unter die Lupe zu nehmen. Unter dem Paradigma des entdeckenden Lernens hatte Herr Schulmeister einiges an Lernsoftware mitgebracht, die er uns ausprobieren, reflektieren und diskutieren ließ.
Gestartet sind wir mit der Anwendung Correl, einer einfachen Anwendung im "historischen" 50er Jahre Design. Gelesen haben wir etwas über Pawlow, Speichelsekretion, Stimuli und Reaktionen. Gelernt haben wir, dass wir Begriffe - meistens von der Vorseite - korrekt eingeben mussten, dann folgten zwei Klicks (Weiter und Bestätigung des Feedbacks) bis zur nächsten Eingabe. Insgesamt 64 mal - laut Schulmeister - denn von uns hat niemand dieses Ziel erreicht. Zu groß war der Frust und die Gereizheit über den Aufbau des Systems. So waren die ersten behaviouristischen Lernanwendungen gestrickt.
Im zweiten Block folgten Sprachlernprogramme. Wir haben uns einen Jiddischkurs angeschaut, bevor Schulmeister uns anschließend eine Software zum Einstieg in die Gebärdensprache präsentiert hat. Einige wesentlichen Unterschiede zwischen den Programmen bestanden in der dem Jiddischkurs fehlenden Handlungsorientierung, der wenig intuitiven Bedienbarkeit, der geringen Interaktivität, der mangelnden Anpassbarkeit an die eigenen Lernvorlieben und den Verzicht auf Einbettung in einen realitätsnahen Kontext (situiertes Lernen). Die Diskussion über Kognitivismus und Konstruktivismus begann.
Nach der Mittagspause ging's weiter mit interaktiven Lernprogrammen. Zuerst haben wir uns den MedidaPrix-Gewinner 2004 Past Perfect angeschaut, einen interaktiven Geschichtsatlas über die Reformation und Renaissance. Die Navigation bereitete uns einige Schwierigkeiten, das Ziel war unklar, schnell kam Langeweile auf. Fazit: Ein solches Programm muss begleitet werden; Lernaufgaben oder -zielvorgaben sind erforderlich, um sich selbstständig mit dem Atlas auseinanderzusetzen und entdeckendes Lernen (erfolgsversprechend) anzuregen.
Neben Past Perfect habe ich mir auch noch die CD-Version von e-törn angeschaut, eine Software für Segel-Trockenübungen. Schon auf der Tagung hatte die Präsentation dieser Anwendung mein Interesse geweckt, da ich immer noch mit dem Gedanken spiele, eines Tages einen Segelschein zu machen. Ich habe daher vorhin auch direkt mal die Demoversion heruntergeladen - leider gibt's damit aber Probleme. Mal sehen, vielleicht investiere ich doch noch in die Vollversion - es könnte tatsächlich eine Möglichkeit für mich sein, mich den Kombinationsmöglichkeiten von Wind, Segel und Pinne anzunähern, ohne Gefahr zu laufen, direkt zu kentern ;-)
Zum Schluss haben wir uns dann noch einige Medizinprogramme angeschaut. Fallbasiertes (problemorientiertes) Lernen stand hierbei im Vordergrund.
Neben vielen Einblicken in mal mehr, mal weniger gut gelungenen E-Learning-Beispielen hat der Workshop kurzweilig die unterschiedlichen Lerntheorien behandelt, in die Diskussion um den Begriff "Multimedia" eingeführt und abschließend zur Erörterung des didaktischen Mehrwerts (nach Schulmeister die Überwindung der Zeit-, Raum-, Analog-Digital- und Normenschranke) geführt. Ein gelungener Workshop, der neben Auffrischungen auch einige neue Erkenntnisse für mich bereit gehalten hat.