Heute Abend habe ich es nun auch geschafft, das Buch "Erfolgreiche Gewohnheiten" zu Ende zu lesen. Es liest sich wirklich gut und schnell durch, leichte Kost. Nichtsdestotrotz kann ich nicht verheimlichen, dass mir das Buch manchmal zu positiv, zu einseitig ist. Oftmals hatte ich den Gedanken, es reicht völlig aus, sich vorzunehmen, eine Gewohnheit zu ändern, dann nimmt man noch ein YuKoN-Armband dazu und nach 21 Tagen ist alles anders. Naja, das ist jetzt natürlich übertrieben und die Beschreibungen des Autors Jörg Weisner über seine (mehr als eine) eigenen Gelassenheits-Challenges deuten an, dass nicht immer ein Gewohnheitswechsel schon nach 21 Tagen möglich ist.
Dennoch, nach dem Lesen blieb der Eindruck bestehen, alles sei trainierbar, alles sei möglich. Ich denke nicht, dass es so einfach ist. Nehmen wir mal das Beispiel mit dem frühen Aufstehen. Im Buch lautet ein Kapitel "Wie schaffe ich es, täglich eine Stunde früher aufzustehen?" Dabei geht es nicht nur darum, die morgendliche Ruhe zur Einstimmung auf den Tag zu nutzen, sondern tatsächlich eine Stunde mehr Zeit für den Tag zu haben. Hmmm - also mein Körper sagt mir dazu ein klares nein. Klar kann ich mir angewöhnen, Morgens früher aufzustehen, aber ich bin dann auch Abends früher müde - mein Körper braucht Schlaf. Mangelt es ihm daran, bin ich nicht ausgeglichen, geht's mir nicht gut. Also keine Gewohnheit, zu der ich mir selbst raten würde. Ebenso geht's mir den Weckritualen - weg vom Radiowecker hin zum CD-Player - weil man nach dem Hören der (Katastrophen-)Nachrichten nicht aus dem Bett kommt. Also, ich habe damit keine Probleme - ich stelle generell meinen Wecker min. 15 Minuten vor der eigentlichen Aufstehenszeit, weil ich diese viertel Stunde brauche, um wach zu werden. Die Schlummertaste drücke ich dabei nie ...
Was ich damit sagen will? Ich will in keinster Weise hiermit den Autor kritisieren oder andeuten, dass die von ihm genannten Methoden nicht auch für andere Personen geeignet sein können. Ich möchte lediglich darauf hindeuten, dass mir manche Beschreibungen einfach zu pauschal sind.
Ich denke, erfolgreiche Gewohnheiten müssen zu einem selbst passen. Es bringt doch nichts, sich etwas vorzunehmen, weil die Welt die entsprechenden Resultate als besonders herausragend und nacheifernd erachtet. So finde ich es z.B. keine erstrebenswerte Gewohnheit, abzunehmen, weil man ein paar Kilo zu viel auf der Hüfte hat, nur um sich damit den Idealen anzugleichen. Eine Freundin von mir versucht dies schon seit einer scheinbaren Ewigkeit - erfolglos. Für ein halbes oder dreiviertel jahr hält sie es durch, sich bewusst zu ernähren, nimmt ab. Aber trotz dieser langen zeit scheint sie sich (noch) nicht an die neue Ernährung gewöhnt zu haben, denn beinahe jedes Jahr kommt dann auch wieder der Rückfall. Es kommen wieder einige Kilos hinzu, der Jojo-Effekt ist vorprogrammiert. Ich denke, in einem solchen Fall würde es helfen, die eigenen Grenzen zu erkennen, diese zu akzeptieren und eine Lösung zu finden, die einen selbst dauerhaft zufrieden stellt.
Was ich damit sagen will: Jeder Mensch kommt an seine Grenzen, stößt auf (unüberwindbare) Hindernisse und es gibt Situationen, in denen man diese Hindernisse anerkennen und den persönlichen Umgang damit erlernen sollte, anstatt immer wieder zu versuchen, sie zu überwinden. Ich schreibe hier übrigens nicht über Ausreden, mit denen man sich selbst (nur all zu gerne) betuppt, sondern über spürbare Barrieren. Eine Unterscheidung fällt nicht immer leicht, ich weiß.
Und ich will hiermit ebenfalls nicht die Gedanken und die von Jörg Weisner entwickelte YuKoN-Methode in Frage stellen. Ich denke, dass die Methode mir durchaus bei der Aneignung der ein oder anderen erfolgreichen Gewohnheit helfen kann (wenn ich auch gestehen muss, dass ich einen Vergleich mit einer Kontrollgruppe in diesem Test recht spannend fände). Und deswegen bin ich auch ganz stolz auf mich, dass ich es heute tatsächlich geschafft habe, nicht ein einziges Mal meine beruflichen Mails abzurufen, obwohl ich mehrmals schon kurz davor war, die URL zum Webclient einzugeben. Morgen kommt ein neues Element dazu. Und Morgen wird es leichter, es ist Wochenende, da verbringen ich meinen Tag nicht komplett vorm Rechner. Erst Montag wird es wieder hart, aber noch bin ich zuversichtlich. Meine Befürchtung: Die erste Challenge werde ich vieleicht gleich im ersten Anlauf schaffen, aber danach wird es kritisch. Ich glaube noch nicht daran, dass ich das neue Verhalten schon nach 21 Tagen in meinen gewohnheitsmäßigen Tagesablauf aufgenommen habe.