Filmpremieren sind schon ein Phänomen. Nachdem auf der Berlinale scheinbar diverse Weltpremieren stattgefunden haben, finden die Deutschlandpremieren nun in Essen statt - ich hätte nicht gedacht, dass zwei Premieren im gleichen Land stattfinden können, aber es geht ...
Und nachdem ich ja nur ganz kurz auf der Berlinale verweilen konnte, habe ich mich daher sogar gefreut, dass der Film "Hilde" in Essen gestern die Deutschlandpremiere feiern konnte. Mit etwas Glück habe ich dafür Montag noch zwei Karten ergattert und meinem ersten großen Kinoevent im Ruhrgebiet stand nix mehr im Weg.
Der Film erzählt in Rückblenden die ersten Bühnenjahre aus dem Leben von Hildegard Knef (Heike Makatsch), basierend auf der Autobiografie "Der geschenkte Gaul". Mitten im zweiten Weltkrieg gelingt es Hilde, die Prüfung an einer Schauspielschule zu bestehen und beginnt ihre Ausbildung zur Schauspielerin. Sie wird Geliebte des Reichsfilmdramaturg Ewald von Demandowsky, begleitet ihn in den Krieg als auch er als letzte Reserve eingezogen wird. Nach dem Krieg verdient sie sich ihre abendliche Suppe in kleinen Theatern, lernt ihren ersten Ehemann Kurt Hirsch (Trystan Wyn Puetter) kennen. Nach ihrer Hochzeit gehen sie gemeinsam nach Hollywood. Deutschland scheint für die Ex-Geliebte eines Nazis, Ehefrau eines Juden nicht gemacht zu sein.
Doch auch Hollywood bringt nicht das ersehnte Glück. Sie erhält nur kleine Rollen. Sie versucht, aus ihrem Vertrag heraus zu kommen, kommt 1950 kurzzeitig zurück nach Deutschland, um "Die Sünderin" zu drehen. Ein Skandalfilm! In Deutschland erneut geächtet, flieht sie wieder nach Hollywood. Einige Jahre später startet sie am New Yorker Broadway durch. Die Musik beginnt Platz in ihrem Leben einzunehmen. Sie dreht noch einige weitere Filme, lernt Ehemann Nr. 2 David Cameron (Dan Stevens) kennen. 1961 kehrt sie nach Berlin zurück, gibt in der Berliner Philarmonie ein Konzert - der Zeitpunkt, zu dem im Film immer wieder "vorbeglättert" wird.
Alles in allem muss ich gestehen, dass ich etwas enttäuscht von dem Film bin. Ich hatte etwas vom Format "La vie en rose" erwartet, bekommen habe ich allerdings nur eine teilweise beliebig erscheinende Aneinanderreihung von einzelnen Lebensphase "der Knef". Mir fehlten die Höhen und Tiefen, mir fehlte das Gefühl der Verzweiflung und die Kraft des Neubeginns. Stattdessen plätschert der Film recht konstant auf dem gleichen Niveau vor sich hin. Einzig Heike Makatsch hat mich überrascht: Um nicht nur visuell eine Ähnlichkeit zu Hildegard Knef herzustellen, sondern auch akustisch, spricht und singt sie deutlich tiefer als man es von ihr kennt. Hat sie gut hinbekommen, ich fand's authentisch.
Kommentare
"ich hätte nicht gedacht,
"ich hätte nicht gedacht, dass zwei Premieren im gleichen Land stattfinden können, aber es geht ..."
Das ist in etwa so, wie mit Welt-, Europa- und Deutschlandrekorden bei irgendwelchen Leichtathletik-Meetings oder sonstwelchen Sportevents. Wenn Nicole E. z.B. einen neuen Segel-Weltrekord auf der Kieler Woche einstellt, bleibt der mikrige deutsche bzw. europäische Rekord bestehen.
Aber bei den Filmpremieren find ich es auch ein bissel komisch.
Naja, im Sport macht es ja
Naja, im Sport macht es ja noch insofern Sinn, als dass sich mit jedem Rekord auch die Teilnehmerschaft ändert. Bei einer Weltpremiere in Berlin ist aber kein wesentlich anderes Publikum als in Essen zu erwarten ...