Von Motueka aus fahren wir nach Marahau. Dort beginnt der Abel Tasman Nationalpark. Das Auto parken wir direkt beim Wassertaxi-Anbieter, dann haben wir es Abends nicht mehr weit. Und los geht's auf einem der schönsten und dem wohl beliebtesten Track Neuseelands (was leider dazu führt, dass verhältnismäßig viele Wanderer unterwegs sind). Aber ich kann's verstehen - der Track führt unmittelbar an der Küste entlang, einige Abstände kann bzw. muss man direkt durch das Wasser nehmen. Auch wenn wir an keine dieser Muss-Stellen kommen, nehmen wir dennoch an der ein oder anderen Stelle unsere Schuhe in die Hand und waten lieber durch das türkis-blaue Wasser der Tasman Sea. Der unglaublich gelbe Strand und der grüne (Regen-)Wald erzeugen mit den Farben des Meeres ein wunderschönes Farbspiel. Etliche Buchten laden auf auf unserer nur 12 km langen Strecke zum Verweilen ein. Die ein oder andere Einladung nehmen wir, dösen in der Sonne und suchen nach Muscheln. Wir haben genügend Zeit, erst am späten Nachmittag müssen wir Anchorage sein, wo uns das Wassertaxi aufsammelt.
Die Fahrt mit dem Wassertaxi ist abenteuerlich. Wer zu Seekrankheit neigt, sollte an dieser Stelle lieber drauf verzichten. Wer auf dem letzten Rummel nicht genug von dem ein oder anderem Karussel kriegen konnte, ist hier genau richtig. Als der Fahrer Gas gibt, beginnt das Boot über die Wellen zu springen - und das nicht gerade sanft. Während die anderen Fahrgäste verbissen nach vorne schauen, brechen wir in hysterisches Gelächter aus. Ich hatte wirklich Spaß, auch wenn mein Magen mit der Dauer der Fahrt etwas gehaddert hat - länger hätte es nicht dauern dürfen. In Marahau angekommen, wird das Boot auf einen Anhänger gezogen. Vom Trecker geschleppt geht's auf diesem Wege zurück zum Anbieter.
Anschließend fahren wir nach Nelson ins Hostel Trampers Rest. Eigentlich war noch ein Stop in Motueka zum Essen geplant, aber die Besitzer des Hostels sind bezüglich unserer Ankunftszeit nicht so kulant (Lonely Planet spricht von einem engagierten, aber exentrischen Betreiber - was es sehr gut trifft). Zum Glück haben viele Supermärkte in Neusseland bis 22 Uhr offen, so können wir noch schnell das Nötigste besorgen gehen und Essen kochen.
Den nächsten Tag gehen wir etwas ruhiger an. Da unsere heutige Etappe (nach Picton) recht kurz ist, haben wir genug Zeit, um in Ruhe durch Nelson zu bummeln. Es lohnt sich - die Stadt hat einen künstlerischen Touch, was man an den vielen kleinen Boutiquen und Galerien merkt. In der Kirche entdecke ich Memorietrees. An diese Tannenbäume werden zur Weihnachtszeit kleine Zettel zur Erinnerung an die im Jahr Verstorbenen gehängt - wie ich finde, eine sehr schöne Tradition. Anschließend genieße ich eine heiße Schokolade und schreibe im Sonnenschein meine letzten Postkarten, während die anderen beiden das Museum besichtigen.
Nachmittags machen wir uns dann auf den Weg nach Picton. Wir nehmen den kurvenreichen, aber landschaftlich wunderschönen Queen Charlotte Drive. Ein Lookout lässt uns einen ersten beeindruckenden Blick auf den Queen Charlotte Sound erhaschen. In Picton angekommen, bewundern wir die immer noch vorhandene Weihachtsdeko - ein Lamettaweihnachtsbaum auf einem Kriegsveteranendenkmal direkt vor dem Sound umrahmt von Palmen - wirkt irgendwie surreal. Im Hostel erkundigen wir uns erstmal nach einem Wassertaxi für den Queen Charlotte Track, den wir uns für den nächsten Tag vorgenommen haben - man spricht mal wieder deutsch. Anstatt das letzte Stück des Tracks in Angriff zu nehmen (zu dem wir mit dem Auto wiedere ein-zwei Stunden zurück fahren müssten), erhalten wir die Empfehlung, die erste Tagesetappe zu wandern - dan bekommt man gleich eine Soundfahrt inklusive und spart sich die kurvenreiche Fahrt mit dem Auto.
Am nächsten Tag sind wir auf dem Queen Charlotte Track unterwegs. Wir haben mal wieder Glück - die Sonne scheint, der Himmel ist blau - die Landschaft sind traumhaft aus. Unterwegs überholen uns drei Einradfahrer - wir rätseln, welch' Kraft und Gleichgewichtssinn man wohl besitzen muss, um eine solche Tour anzugehen. Im Gegensatz zu den anderen Tracks, die wir bisher bestritten hatten, ist der Queen Charlotte für uns allerdings enttäuschend. Als exklusives Urlaubsgebiet ist der Track generell erschlossen und führt streckenweise über Privatgelände. Man sieht Strom- und Telefonleitungen. Im Vergleich zum Milford Track beinhalten die Hütten hier Cafés, Restaurants oder ähnliches. Auch wenn man hier nur über den Wasserweg hingelangt, so hat man nicht das Gefühl, allein mit der Natur zu sein - zu viele Lodges liegen auf dem Weg.
Am Abend leisten wir uns ein Essen in Picton und planen unsere nächsten Tage. In Picton endet die Reise zu dritt - eine nimmt die Fähre nach Wellington, um von dirt aus die Rückreise nach Auckland anzutreten. Zu zweit wollen wir am nächsten Tag Richtung Kaikoura aufbrechen, um Delfine zu sehen. Als wir uns für eine Tour anmelden wollen, werden wir leider mit ausgebuchten Touren konfrontiert. Zum Glück finde ich noch einen Flyer von den Dolphin Tours in Picton - wir erkundigen uns auch hier und erhalten noch zwei Plätze am nächsten Tag.
Leider schlägt am nächsten Tag das Wetter um, für den Nachmittag ist ein Sturm gemeldet. Ob das der Grund dafür ist, dass wir keine Delfine gesehen haben? Nur zwei haben sich einmal kurz gezeigt - davon habe ich nur einen Blick auf den zweiten erhascht. Außerdem haben wir einen Blue Penguin kurz auftauchen sehen - aber auch der war viel zu schnell weg, als das wir die Chance auf ein Foto gehabt hätten. Enttäuschend! Damit gehörten wir tatsächlich zu den 2% der Passagiere, die keine Delfine (die zwei zählen mit einmal Auftauchen nicht wirklich) während dieser Touren zu sehen bekommen. Immerhin erstattet der Anbieter uns ohne Umstände die Hälfte des Preises. Etwas enttäuscht machen wir uns auf den Weg nach Kaikoura.