Kan door huid heen (Can go through skin)

Sonntag ging's dann mit etwas kleineren Filmen in ebenso kleineren Kinos (und dieses Mal "echte" Kinos) weiter. Unser erster Film war "Kan door huid heen (Can go through skin)" aus der Sektion "Forum". Soweit ich mich erinnere, ist das Forum die experimentellste Sektion, insofern weiß man nie so recht, was man bekommt. Und meine Erfahrungen von meiner ersten Berlinale vor einigen Jahren deuten immer noch auf äußerste Vorsicht hin. Dies war bei diesem kleinen, niederländischen Film aber überhaupt nicht erforderlich. Toll an der Sektion ist allerdings, das relativ häufig nach dem Film noch Diskussionen mit dem/der Regieseur/in oder anderen Mitgliedern der Filmcrew stattfinden.

Zur Geschichte: Mariekens Freund trennt sich von ihr. Sie (Rifka Lodeizen) ist verzweifelt, versucht Freunde zu erreichen, niemand hat Zeit. Dann wird sie in ihrer Amsterdamer Wohnung überfallen, beinahe umgebracht. Sie kann sich gerade noch retten. Marieken benötigt Abstand, zieht daher in ein schwer renovierungsbedürftiges Landhäuschen. Dort verkricht sie sich, versucht sich mit Renovierungsarbeiten, sucht Ablenkung im Chatroom. Ihr Nachbar klingelt, stellt sich vor und bietet ihr Unterstützung an. Marieken nimmt an. Doch dann wird es ihr zu viel. Sie öffnet ihm nicht mehr, versteckt sich vor ihm. Zu tief sind die Wunden der Trennung und des Mordversuches.

Was wir sehen, ist das komplette Gefühlschaos von Marieken aus nächster Nähe. DIe Handkamera suggeriert, direkt dabei zu sein. Und gleichzeitig ist man weit weg, kann ihr nicht nahe kommen, sie trösten - sie sitzt tief in ihrem Schneckenhaus. Sie tut sich schwer damit, raus zu kommen, wieder Vertrauen zu anderen Menschen zu entwickeln. Immer wieder sehen wir ihre Versuche, wieder am öffentlichen Leben teilzunehmen, Kontakte zu anderen Menschen aufzubauen, doch dann folgt immer wieder der nächste Zusammenbruch, der nächste Rückzug ins innerste Ich.

Ein extremer Film, der einen dadurch ergreift, dass er tiefe Einblicke in die Gefühlswelt von Marieken erlaubt. Dies ist möglich, weil Marieken nahezu die einzige Person im ganzen Film ist. Sie wird ganz nah von der Kamera begleitet, es entsteht der Eindruck der unmittelbaren Beobachtung.

Ich muss gestehen, so ein Film ist nicht immer ganz mein Ding. Wackelnde Handkameras haben zwar was sehr Realitätsnahes, erwecken den Eindruck, selbst beteiligt zu sein, sind aber auch anstrengend für die Augen. Aber die schauspielerische Leistung von Rifka Lodeizen war beeindruckend, sie bringt das innere Chaos sehr gut zum Ausdruck, hat mich von Mariekens Gefühlen überzeugt. Und nicht zuletzt muss ich noch die Musik hervorheben - die Songs, die Dan Geesin geschrieben hat, können sich wirklich hören lassen.

Alles in allem ein durchaus gelungener Film in der Sektion Forum. Etwas weniger Unterhaltungswert, dafür mindestens genauso viel Anspruch wie zuvor die Filme "Lille Soldat", "Der Vorleser" und "John Rabe".

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