Besuch aus Bremerhaven hatte sich angesagt, dem sollte etwas geboten werden. Für die in Fishtown lebende Cineastin bot sich daher ein Gang in die Lichtburg an, wieder eine Premiere. Und was für eine ....
Begonnen hat der Abend damit, dass wir kurz vor knapp (so dachten wir zumindest) auf dem roten Teppich ankamen. Ich bin nach meinen bisherigen Erfahrungen davon ausgegangen, der Trubel um Stars und Sternchen sei dann schon vorbei. Pustekuchen: Direkt vor uns ging das Blitzlichtgewitter los. Erst sahen wir nix, dann einen lockigen Afroschopf (= Afrob), dann auch noch Ralf Richter. Wir mussten stehen bleiben, durften uns nicht vorbei schleichen und den Kameras entkommen, ducken war angesagt. Als wir dann endlich an den Kameras vorbei kamen, ging's direkt zu unseren Plätzen, der erste Gong ertönte schon. Und es folgten mindestens noch vier-fünf weitere. Ich habe die Lichtburg noch nie so unruhig erlebt - ein ständiges Kommen und gehen, hier noch jemanden vorbei lassen, da jemanden beobachten, wie er sich auf irgendjemandes Plätze setzt - eine geschlagene Stunde lang.
Dann ging's endlich los. Die beiden Jungregisseure Benjamin Eicher und Timo Joh. Mayer begrüßten das Publikum, stimmten mit Worten über unsere "abgewrackte" Gesellschaft, deren Randgestalten der Film zu beobachten versucht, ein und überließen die Bühne erstmal den Musikern Massiv & Beirut, die ihren Song performten. Dann endlich der Film.
Die Kurzversion lautet: 12 Personen, sechs Geschichten und ein Kilogramm Heroin - eine Langversion gibt's (von mir) nicht. Mit verwackelten und verschwommenen Bildern hangelt der Film sich von Szene zu Szene, versucht die einzelnen Darsteller/innen miteinenander in Beziehung zu setzen. Der roten Faden wird durch eine Stimme aus dem Off hergstellt - irgendwie hatte ich den Eindruck, das war eine Notlösung, da der Film sonst schlichtweg unverständlich geblieben wäre. Aber auch so blieb der Film leider nur ein gutgemeinter Versuch der Abbildung von Menschen am gesellschaftlichen Rand. Eine deutlich kürzere Version hätte ich mir gut in Deutschland 09 vorstellen können, thematisch hätte es perfekt gepasst, aber für einen 90-Minüter reicht es einfach nicht aus.
Wie der Film, so auch die gesamte Atmosphäre: Während des Films hörte man vom Balkon immer wieder störende Geräusche, die geladenen Darsteller feierten sich scheinbar vorzeitig schon selbst. Nach dem Film gab's noch ein paar Dankesworte der Regisseure, bevor dann einige Darsteller wie Joshua Keller (Sohn von Mark Keller), Mark Keller, Ralf Richter (stilecht mit Bierpulle in der Hand) und Claude-Oliver Rudolph auf die Bühne geholt wurden. Eine Diskussion kam nicht mehr zu Stande, die Crew wollte eigenlich nur noch feiern gehen, das Publikum war noch damit beschäftigt, das Gesehene einzuordnen (und vielleicht wie ich, nicht sofort als schlecht abzutun).
Das Beste: Bevor wir zum Kino aufgebrochen sind, las mein Besuch noch die Kritik aus der aktuellen Cinema vor - wir wusste, was uns erwartet - und es traf ein ...