Oje, langsam habe ich das Gefühl, ich werde wirklich alt: Jetzt gehe ich schon nach der Arbeit ins Kino, wenn der Film zu keiner anderen Zeit gezeigt wird. Scheinbar möchte der "Liebe auf den zweiten Blick" entsprechend seines Inhalts nur die Zielgruppe "Senioren" ansprechen - schade eigentlich.
Zu Beginn des Films werden die beiden Hauptdarsteller Kate (Emma Thompson) und Harvey (Dustin Hoffman) in ihrer momentanen Gefühlslage in einer gelungenen Parallelität ausführlich vorgestellt. Ähnlich einem Episodenfilm laufen die beiden sich währenddessen schon mehrfach über den Weg, aber ohne, dass sie besonders einander auffallen. DIeser Punkt folgt erst nach ca. einem Drittel des Films. Der New Yorker Harvey ist frustriert, seine Tochter, zu deren Hochzeit er extra nach London gereist ist, möchte sich lieber von ihrem Stiefvater zum Altar führen lassen. Sein Chef kündigt ihm. Er verpasst seinen Flieger zurück in die Staaten. Mies gelaunt setzt er sich in eine Flughafenbar und spricht Kate an, die dort in Ruhe ihre Mittagspause verbringen möchte. Doch irgendwie findet sie ihn interessant, mag seinen Humor, legt ihr Buch beiseite. Schließlich erzählt Harvey, weshalb er mies drauf ist, Kate überzeugt ihn, dass er doch noch an der Hochzeitsfeier seiner Tochter teilnehmen sollte und er überredet sie, ihn zu begleiten. Gemeinsam machen sie die Nacht durch, wollen sich am nächsten Tag wieder treffen, doch Harvey erscheint nicht. Kate ist verletzt.
"Liebe auf den zweiten Blick" ist ein ruhiger Film, der die Geschichte von zwei einsamen, traurigen Menschen erzählt, die sich nur langsam darauf einlassen können, wieder einer anderen Person zu vertrauen. Emma Thompson spielt eine unsichere Frau, die große Angst vor Verletzungen hat, diesen lieber generell ausweicht anstatt nicht zu wissen, was kommt - ein mir bisher unbekannter Charakter der englischen Schauspielerin, der mir gut gefiel. Schwächer hingegen fand ich die Rolle von Dustin Hoffman, der einen Mann spielt, der sich seine privaten und beruflichen Fehler eingesteht. Immerhin sah sie nicht vor, dass er nach seiner Erkenntnis sich komplett wandelt, sondern nur bewusster handelt.
Fazit: Kein großes Kino, aber dennoch nette Unterhaltung.