Palermo Shooting (mit Publikumsgespräch)

Bei "Palermo Shooting" handelt es sich ja nun nicht wirklich um einen aktuellen Kinofilm und eigentlich hatte ich ihn auch schon - aufgrund der vielen negativen Kritiken - von meiner "will- ich-sehen-Liste" gestrichen. Der Grund, weshalb ich ihn mir nun doch noch im Kino angeschaut habe, lag darin, dass er im Essener Eulenspiegel noch mal mit Publikumsgespräch mit Wim Wenders und Campino gezeigt wurde.

Und auch wenn ich einen Tag später nicht unbedingt sagen kann, ich fand den Film klasse, so stelle ich dennoch fest, er hat mich bewegt - vermutlich nicht zuletzt auch wegen der anschließenden Fragen-Antwort-Stunde.

Im Mittelpunkt des Films steht der Düsseldorfer Mode- und Kunst-Fotograf Prof. Finn Gilbert (Campino), der mitten in seiner Midlife-Krise steckt. Das Leben rauscht an ihm vorbei, er nimmt nicht mehr wirklich daran teil. Bis er - auf Wunsch des Model Milla Jovovich (spielt sich selbst) eine authentische Kullisse für ein Fotoshooting sucht und dadurch nach Palermo gelangt - eine Stadt, die in völligem Kontrast zur Düsseldorfer Szene steht. Dort lernt er die Restauratorin Flavia (Giovanna Mezoogiorno). Außerdem wird er von einem Unbekannten (Dennis Hopper) mit Pfeil und Bogen gejagdt. Schließlich treffen beide aufeinander und ein spannender Dialog über Leben und Tod und der Angst vor beidem folgt.

Sicherlich handelt es sich bei diesem Film nicht um den spannendsten Film aller Zeiten. Vielmehr stehen Aussage und Anspruch auf Wim Wenders Agenda. Zeitweilig erinnerte mich der Film auch an die Machart von David Lynch - den Vergleich anzusprechen, habe ich jedoch nicht gewagt. Stattdessen wurde das Publikumsgespräch jedoch auf die beiden Regisseure gelenkt, denen der Film gewidmet ist: Ingmar Bergmann (Das siebte Siegel) und Michelangelo Antonioni (Blow up). Mit berührter Stimme erzählte Wenders, dass sein Film die Themen von "Das siebte Siegel" und "Blow up" aufgreift, aufgrund des Tiefgangs auch nur mit diesen vergleichbar wäre und ein merkwürdiger Zufall - so schenit es - dazu führte, dass beide Regisseure während der Dreharbeiten zu Palermo Shooting am gleichen Tag verstarben. Solche Aussagen gehen unter die Haut, sind nur schwer rational begreifbar.

Erst im Nachgang zum Film ist mir aufgefallen, wie nah der Film auch an meinem Leben dran ist. Seit dem Unfalltod einer guten Schulfreundin vor anderhalb Jahren lebe ich bewusster - lebe ich in der Gegenwart?! Ein Erlebnis, was mich damals und bis heute tief erschüttert hat und im Prinzip genau die Aussage des Filmes trifft.

Unbedingt empfehlenswert ist übrigens der Soundtrack - der nicht vom Musiker Campino - sondern vom Filmemacher Wenders zusammengestellt wurde. Wäre ich nicht auf die Öffentlichen angewiesen, so hätte ich mir noch vor Ort die CD mit Signaturen geholt, aber dafür war leider keine Zeit mehr :-(.

Ach, und noch etwas finde ich nennenswert: Die meisten Düsseldorfer Szenen wurden nicht in Düsseldorf, sondern in Essen (Zeche Zollverein) gedreht - irgendwie bestätigt mich das doch enorm in meiner Wohnortswahl.

Eigentlich gäb's noch mehr zu berichten (Campino hatte noch einige Anekdoten auf Lager, Wenders hat noch einiges zur Filmentstehung erzählt), aber ich will's nicht noch länger machen. Mein Fazit: Der Film kann bewegen, wenn man die Thematik an sich heran lässt, sich darauf einlässt und Campino vielleicht nicht von vornherein als schlechten Schauspieler abstempelt. Ich bin mittlerweile ernsthaft am Überlegen, ob seine Rolle nicht bewusst so lethargisch angelegt war und er das nicht sogar ziemlich gut trifft. Und ich bin mir dennoch genauso sicher: Vielen wird der Film nicht gefallen, weil zu langsam, zu künstlerisch abgehoben, zu anspruchsvolles Thema, ...

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