Der Film "Ricky" sollte der für uns einzige Berlinale-Film sein, der eher in eine heitere Richtung geht. Naja, irgendwie hat er das dann wohl auch geschafft, wenn auch ganz anders als gedacht.
Die in der Chemieindustrie tätige Arbeiterin Katie (Alexandra Lamy) lebt allein mit ihrer sieben-jährigen Tochter Lisa (Mélusine Mayance)zusammen, als sie auf der Arbeit den Spanier Paco (Sergi Lopez) kennenlernt. Es ist Liebe auf dem ersten Blick. Zuerst landen sie auf einer Toilette, dann in ihrem Bett, dann zieht Paco bei Katie und Lisa ein. Direkt nach dem Einzug, so entsteht der Eindruck, gebährt Katie einen kleinen Jungen, Ricky. Alles scheint anfänglich gut und normal zu sein. Ricky schreit viel, aber sonst ... Schließlich fängt Katie wieder an zu arbeiten, Paco übernimmt Nachschichten und kümmert sich tagsüber um Ricky. Dann stellt Katie auf Rickys Schulterblättern Wundmale fest, erst links, dan rechts. Paco streitet ab, Ricky misshandelt zu haben. Letztendlich geht er, er kann Katie nicht von seiner Unschuld überzeugen.
Dann verschwindet Ricky aus seinem Bettchen. Lisa, die sich mit Ricky das Zimmer teilt, schlägt Alarm. Denn nicht nur, dass Ricky nicht da ist, nein, im Bettchen sind auch Blutspuren. Gemeinsam suchen die zwei Frauen nach dem kleinen Baby und finden es auf dem Schrank. Wie kommt ein Baby dahin?
Es stellt sich heraus, dass Ricky Flügel hat. Diese haben die Wundmale verursacht, diese sind Schuld an den Blutflecken im Bett, sie erklären den Fund auf dem Schrank. Obwohl Katie damit zugeben muss, dass sie Paco Unrecht getan hat, informiert sie ihn nicht über die wundersame Entdeckung. Sie geht mit ihm nicht zum Arzt, sondern bleibt zu Hause, deckt das Bettchen mit einer Decke nachts ab, damit Ricky nicht heraus "fliegen" kann, polstert Schränke und sonstige Möbel. Katie und Lisa kümmern sich rührend um das Kind/den Bruder mit Flügeln, bis sie eines Tages zu dritt einkaufen gehen, Ricky im Supermarkt unbeaufsichtigt entfliegt und damit öffentliches Aufsehen erregt.
Paco steht vor der Tür, alles ist wieder gut - nur die Presse nervt. An einer "Drachenleine" soll Ricky schließlich der Presse vorgeführt werden. Katie ist dabei so fasziniert von ihrem kleinen Wunderejungen, dass sie versehentlich loslässt. Ricky fliegt weg. Die zurückgebliebene Familie trauert. Bis zu dem Tag, an dem Katie ihren kleinen Sohn wiedertrifft, feststellt, dass er es scheinbar trotz Babyalters schafft, zu überleben und sieht, dass es ihm in Freiheit gut geht.
Wenn ich die Story so aufschreibe, dann finde ich immer noch den gesamten Plott sehr skuril. Und immer noch frage ich mich, weshalb dieser Film im Berlinale-Wettbewerb ist. Weshalb ich ihn sehen wollte. In der Zitty wurde der Film mit "Ein Kind scheint plötzlich übernatürliche Kräfte zu entwickeln" beschrieben. Das Wachsen von Flügeln mit "übernatürliche Kräfte" zu umschreiben finde ich nach wie vor sehr fragwürdig.
Alles in allem muss ich leider sagen, dass dies der schlechteste Film war, den wir gesehen haben. Unter "übernatürliche Kräfte" hätte ich mir was gänzlichst anderes vorgestellt, nicht sowas profanes wie Flügel, mit denen das Baby dann fliegen kann. Aber vielleicht liegt ja auch gerade darin der Reiz des Films. Ohne großes Tamtam, ohne spektakuläre Effekte etwas besonderes zu zeigen. Vielleicht war das genau der Reiz, in mit den den Wettbewerb aufzunehmen - ich weiß es nicht. Ich warte gespannt ab, ob wir jemals im deutschen Kino von diesem Film hören werde oder ob dieser Film gar Chancen auf einen Bären hat.
Ach, nur um noch mal darauf hinzuweisen: Der Film war nicht generell schlecht. Das Publikum hatte seinen Spaß dran. Ist einfach nicht mein Humor. Und ich habe schon deutlich - wirklich deutlich! - schlechteres auf der Berlinale gesehen.