Bei meinem letzten Berlinale-Film, dem neuseeländischen Kinderfilm "The Strength of Water" handelte es sich nochmals um eine Premieren, wieder unerwartet. Und auch dieses Mal war ein Teil der Filmcrew - u.a. die beiden Hauptdarsteller und ihre Mütter - vor Ort und stand nach dem Film für Publikumsfragen zur Verfügung.
Im Mittelpunkt des Films steht das 10-jährige Zwillingspaar Kimi (Hato Paparoa) und Melody (Melanie Mayall-Nahi), das glücklich mit seiner Familie in einem kleinen Dorf auf der neuseeländischen Nordinsel lebt. Eines Tages taucht in diesem Dorf der Fremde Tai (Isaac Barber), der die Hütte seines verstorbenen Großvaters beziehen will. Gemeinsam mit Melody macht er sich auf, als die beiden von einem wilden Hund bedroht werden. Tai rettet Melody, indem er sie auf dem Schrottplatz in eine rumstehende Kühltruhe hebt, plötzlich selbst vom Hund bedroht, springt er ebenfalls in die Truhe, der Deckel fällt, das Schloss schnappt zu. In der geschlossenen Truhe erleidet Melody einen Asthmaanfall und stirbt. Während die Familie und Dorfbewohner Tai aufgrund seiner Fahrlässigkeit mit Ausgrenzung bestrafen, leidet Kimi vor sich hin. Ohne Melody fühlt er sich allein. Seine Trauer drückt sich in Wut und Verzweiflung aus. Um damit fertig zu werden, bildet er sich ein, Melody wäre weiterhin bei ihm. Er sieht sie, bespricht sich mit ihr - bis er es letztlich schafft, alleine weiter zu leben.
Der Film nähert sich auf eine sehr menschliche Art und Weise einem schwierigen Thema, dem Verlust eines geliebten Menschens und zeigt die unterschiedlichen Reaktione der Menschen darauf: Wut, Verzweiflung, Rache, Trauer. Dabei bleibt er immer auf dem Boden, übertreibt nicht, bleibt nachvollziehbar. Und zum Schluss bietet er eine Lösung, macht Mut auf Hoffnung und entlässt die (kleinen) Zuschauer/innen nicht mit trüben Gedanken und Gefühlen. Für mich ein wirklich gelungener Kinderfilm.
Und komplett wurde das Kinoerlebnis durch die abschließende Fragerunde. Beteiligt haben sich ausschließlich Kinder mit Fragen wie "War es schwer, eine Tote zu spielen?" - Antwort: "Die Asthmaanfälle waren weitaus schwieriger", "Warum musste denn das Mädchen sterben [und nicht der Junge]?", "Seid ihr in echt auch Zwillinge?", "Ist es schwer, immer so traurig zu sein?" - Antwort: "Ich musste zum Glück nur einmal wirklich weinen - und das war sehr schwer", ... Es war toll, mit anzuhören, womit sich die Kinder nach dem Film beschäftigt haben. Und ebenso toll war es, mitanzusehen, wie Hato Paparoa und Melanie Mayall-Nahi ganz schüchtern und unsicher durch die Aufmerksamkeit, die Ihnen zu Teil wurde, die Fragen beantworteten. Kein Vergleich zu der Fragerunde beim vorherigen Film "Kan door huid heen". Ein toller Abschluss "meiner Berlinale 2009".