Sunshine Cleaning

Gestern ging's mit Kolleginnen ins Duisburger Freiluftkino. Schon allein der abendlichen Atmosphäre im Landschaftspark Nord wegen lohnt sich ein Ausflug. Kommt noch ein Film wie Sunshine Cleaning hinzu, kann eigentlich nix mehr schief gehen.

Im Mittelpunkt des Films steht Rose (Amy Adams), in deren Leben alles schief geht, was nur schief gehen kann. Sie hat (immer noch) eine Affaire mit ihrer Collegeliebe Mac (Steve Zahn), der sich für die Ehe mit einer anderen entschieden hat, einen fast achtjährigen Sohn (Jason Spevack), der Dank der fantastischen - für ihn nur all zu glaubwürdigen - Gute-Nacht-Geschichten der Tante Norah (Emily Blunt) in der Schule immer wieder auffällt, eine kleine Schwester (Norah), die regelmäßig ihren Job verliert, einen Vater (Alan Arkin), der sich mit immer wieder neuen Gelegenheitsgeschäften über Wasser hält und einen Job als Putzfrau, der sie in ihrem Selbstbild als Verliererin bestätigt. Es läuft nicht gerade so, wie sie sich ihr Leben vorgestellt hat. Dagegen hilft auch nicht die Selbstsuggestion nach dem Duschen.

Als sie kurzer Hand Oskar von der Schule nimmt, der scheinbar neurotisch alle Gegenstände in seiner Umgebung mit seiner Zunge ableckt und der Schuldirektor medikamentöse Ggegenmaßnahmen einfordert, fehlt ihr das nötige Geld, um ihren Sohn auf eine Privatschule zu schicken. Durch Mac erfährt sie von einem lukrativen Job: Tatortsäuberung - Bereinigung biologisch konterminierter Wohnungen. Beim ersten Einsatz sind die Sinneseindrücke noch schwer zu ertragen, doch mit jedem weiteren Auftrag kommt Routine hinzu. Rose und Norah, die überredet wurd, den Job mit der großen Schwester gemeinsam durchzuziehen, werden zunehmend professioneller. Sie lernen den Desinfektionsmittelverkäufer Winston (Clifton Collins Jr.) kennen, der sie nach und nach mit den wichtigsten Regeln der Branche vertraut macht. Mit "Sunshine Cleaning" machen die beiden Frauen sich bald einen Namen - das Leben scheint endlich eine Wendung zu nehmen. Bis Rose einen Auftrag annimmt, selbst aber verhindert ist, Norah widerwillig allein hinfährt - und das zu reinigende Haus versehentlich abfackelt. Die notwendige Versicherung ist noch nicht abgeschlossen, Ruf und Firma sind ruiniert.

Der Film hat mich sehr an "Little Miss Sunshine" erinnert - ob das mit dem Titel zusammenhängt? Kein klassischer Hollywoodstreifen mit millionendotierten Filmstars und flacher Story, stattdessen eher unbekannte Schauspieler/innen, die ihre chaotisch, liebenswerten Rollen mit Leidenschaft und großartigem Humor spielen. Allein schon die Idee, einen Film über eine Tatort-Reingungsfirma zu drehen, finde ich brilliant - hat sich jemand von euch da schon jemals vorher Gedanken drüber gemacht, wie solche Orte gesäubert werden? Aber auch die Handlungen samt Dialoge können sich zeigen lassen: Der Drehbuchautor zeigt Sinn für trockenen Humor kombiniert mit Emotionen, die wir alle kennen - nicht übertrieben, sondern lebensnah. Das ist vielleicht das Geheimnis: Verlierertypen, die eigentlich nichts zu melden haben, aber sich auch nicht aufgeben, in skurilen Situationen.

Mir hat's nicht nur gut, sondern sehr gut gefallen - von dieser Sorte Film darf's gerne etwas mehr sein.

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