Im Rahmen des Forschungskolloquiums hat heute Prof. Heinz Moser von der PH Zürich im Duisburg Learning Lab einen Vortrag über seinen Ansatz der Netzdidaktik gehalten.
Er begann mit Kritik an der sogenannten "Gerätepädagogik" - wie etwa IPhone- oder Podcast-Pädagogik - die zu sehr ein bestimmtes Medium in den Mittelpunkt stelle, anstatt den angestrebten Lehrziele und Inhalte den Fokus zu geben. Dies führe bei Lehrenden zu Ängsten, Medien tatsächlich sinnvoll in den Unterricht (Moser bezog sich immer wieder auf den schulischen Einsatz) einzusetzen, weshalb viele Lehrende es dann doch eher ganz lassen würden. Dabei besitze doch mittlerweile auch jede/r Lehrer/in einen privaten Computer und/oder eine Digitalkamera.
Es mangelt also nicht an den nicht vorhandenen Medien oder der nicht vorhandenen Medienkompetenz/-bildung, sondern daran, den sinnvollen Medieneinsatz in die Schule zu übertragen. Im Umkehrschluss folgt daraus Mosers These: Jede/r Lehrer/in kann mit Medien/Tools, mit denen er/sie gut umgehen kann, guten Unterricht gestalten.
Moser fordert daher das "Primat der Didaktik": An erster Stelle solle die Didaktik, die Überlegung nach Lehrzielen und Inhalten stehen, bevor über die Verwendung geeigneter Medien nachgedacht werde. Und dann sollten möglichst Tools verwendet werden, die vorhanden sind, mit denen man vertraut ist, um sich ganz auf die Lehre konzentrieren zu können und keine Ängste entstehen zu lassen.
Als Fazit verwies er darauf, dass Schule (endlich) Teil der Informationsgesellschaft werde müsse. Didaktik müsse der Technik voraus gehen, damit den Technikängsten begegnet werden könne. Auf die Frage nach seiner Vision anwortete Moser, dass es Schulen zukünftig gelänge, Medien umfassend - ohne Ängste bei den Lehrenden - in den Lernprozess einzubinden.
Dies ist nur eine kurze, nicht vollständige Zusammenfassung des Vortrags. Es folgte anschließend noch eine ebenso interessante Gesprächsrunde, in der u.a. geklärt wurde, wie es zu dem Begriff "Netzdidaktik" kam. Vermeintlich paradox erscheint die Wortkonstruktion, assoziiert der/die Zuhörer/in im ersten Moment damit eine Didaktik, die sich auf das Internet bezieht (so zumindest bei Michael Kerres und auch ich bin ursprünglich von einer solchen Bedeutung ausgegangen). Gemeint ist allerdings die Vernetzung von Wissen und Medien - sehr eindrücklich schilderte Heinz Moser hier das Beispiel seiner Tochter, deren Leistungen in Mathematik erst anstiegen, nachdem sie im Unterricht einen Taschenrechner nutzen durfte und damit bewies, dass sie die mathematischen Rechenoperationen durchaus verstanden hatte, um die richtigen Ergebnisse zu präsentieren, jedoch ein Hilfsmittel bedurfte.
Wer Näheres über Mosers Ansatz zur Netzdidaktik wissen möchte, dem sei sein Buch "Einführung in die Netzdidaktik. Lehren und Lernen in der Wissensgesellschaft" empfohlen, auf dem sein Vortrag basierte.
Das nächste Forschungskolloquium findet übrigens schon in zwei Wochen statt. Dann wird Isa Jahnke von der TU Dortmund über "Medienunterstützte Wissenskommunikation an der Hochschule" referieren.
Update: Auch André berichtet in seinem Blog über Moser's Vortrag und geht dabei auf den Konnektivismus ein.