Zeiten des Aufruhrs (Revolutionary Road)

"Revolutionary Road" - der Originaltitel passt meines Erachtens sehr viel besser - handelt von einem Vorstadt-Ehepaar in den Fünfzigern. Mit der ersten Schwangerschaft warfen die Wheelers all ihre Ziele, Wünsche, Träume über Bord und machten das, was alle machen: Sie kauften sich ein Haus im Grünen, um ihren Kindern ein gutes Heim zu bieten.

Einige Jahre später kommt der Zeitpunkt, an dem sie sich in ihrer Alltäglichkeit verlieren. Sie beginnen, ihr Leben zu hinterfragen - was ist passiert in den letzten Jahren und vor allem: Wie kommen wir da wieder raus? Ein Neustart in Paris soll die Lösung sein. April Wheeler (Kate Winslet) wird in Europa das Geldverdienen übernehmen, damit Frank Wheeler (Leonardo DiCaprio) Zeit hat, darüber nachzudenken, was er wirklich will. Doch wie zu erwarten, kommt alles anders.

April wird erneut schwanger, Frank erhält ein lukratives Angebot von seinem Chef. Sie will abtreiben, will weiterhin an Paris festhalten. Er gerät ins Wanken, schließt sich der Meinung ihrer gemeinsamen Umwelt an, der Weggang sei "kindisch". Ein offenes Gespräch - ohne Streit - gegenseitiges Verständnis, ist unmöglich. So kommt es zur Tragödie.

Der Film spiegelt ein Dilemma, in dem wir selbst immer wieder landen. Durch den klassischen Lebenszyklus Ausbildung - Familie - Geld verdienen - gelangen wir in einen Alltag, den wir oft nicht selbst gewählt haben. Er frisst uns auf. Und es ist extrem schwer, diesem Alltag wieder zu entkommen, sich wiedere auf seine "wahren" Ziele zu besinnen und an deren Umsetzung auch tatsächlich zu arbeiten. Schließlich ist es ja auch viel einfacher, die gewohnten Strukturen beizubehalten, darüber zu merkern, dass man/frau sich sein/ihr Leben ganz anders vorgestellt hatte als einen Neuanfang in die Hand zu nehmen.

Auch wenn ich die Idee (wie sie im Film dargestellt wurde), einen Neuanfang in Paris zu starten, für recht spontan und wenig durchdacht halte, genauso erschütternd fand ich den Rückzieher Frank Wheelers nach dem Gespräch mit seinem Chef und die Reaktionen der Freunde und Bekannten des Ehepaars. April fast dies ganz schön zusammen: "Wenn verrückt sein bedeutet, sein Leben bewusst zu leben, dann bin ich gerne geistesgestört!". Ja, ich denke, dem kann ich mich anschließen - lieber verrückt, als den gleichen Trott wie alle mitzumachen, nur weil "es sich so gehört".

Was die schauspielerische Leistung von Kate Winslet und Leonardo DiCaprio betrifft, so spielen sie ihre Rollen sehr überzeugend. Sie reißen einen hinein in ihren Konflikt und schaffen es damit, kurz inne zu halten und über sich selbst nachzudenken. Puhh, was bin ich froh, dass ich mit mir, meinem Leben und der Umsetzung meiner Lebensziele momentan sehr gut zufrieden bin - sonst wäre es wohl ein recht deprimierender Kinoabend geworden. So war es gute Unterhaltung auf durchaus hohem Niveau.

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